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Rezension: Der Tag, an dem mein Hirn still stand von Christine Hyung-Oak Lee

Auszug:

"Manchmal fängt mein Gedankenkarussell an, sich zu drehen. Was, wenn ich an diesem Tag gestorben wäre, anstatt es zu überleben, wenn das Blutgerinsel einen Sekundenbruchteil länger festgesessen wäre und mich in ein dauerhaftes Koma versetzt hätte? Wenn ich nie mehr von meinem Nickerchen aufgewacht wäre? Wenn ich zusammen geklappt wäre, als ich da auf dem Bordstein saß und nie wieder aufgestanden wäre? Wenn die gekippte Welt das Letzte gewesen wäre, was ich sah? Wenn mein letzter Gedanke folgender gewesen wäre: Wann wird endlich alles wieder normal?

Dann hätte mein Leben aus nicht mehr als zwei Kapiteln bestanden. Eine Novelle statt einem Roman."

 

Klappentext:

Was nur wenigen möglich ist: Christine Hyung-Oak Lee beschreibt anschaulich, wie sich ein Schlaganfall wirklich anfühlt. Während ein Blutgerinnsel ihren Thalamus verstopft, versucht sie in einem Blog auszudrücken, wie seltsam sie sich fühlt. Erst Tage später erhält sie in der Notaufnahme die für ihr junges Alter von 33 Jahren erstaunliche Diagnose. Monatelang verliert sie ihr Kurzzeitgedächtnis und damit ihre eigene Identität. Ihre Aufzeichnungen werden zu ihrem Ersatzgedächtnis, aus diesen rekonstruiert sie dieses inspirierende Zeugnis. Offen gibt sie wieder, was mit ihr geschah, wie sich der Schlaganfall auswirkte und wie sie sich zurück in ein neues Leben kämpfte.

 

Produktinformation:

Gebundene Ausgabe mit 272 Seiten 22,00€, Kindle Edition 15,99€.

Veröffentlichung am 29. Mai 2018 durch den Kösel-Verlag.

 

Rezension:

Ich lese sehr gerne Erfahrungsberichte, dabei haben es mir besonders die Krankheitsberichte angetan. Deswegen durfte dieses Buch nur zu gerne bei mir einziehen.

 

Ich habe in diesem Buch hautnah erfahren, wie es Christine Hyung-Oak Lee mit ihrem Schlaganfall ergangen ist. Dabei schildert die Autorin sehr eindringlich und detailreich, wie sie sich dabei gefühlt hat. Natürlich kann ich als Leserin wahrscheinlich immer noch nicht nachempfinden, wie das sein muss, einen Schlaganfall zu haben. Aber zumindest habe ich nun eine kleine Vorstellung davon. Alleine deswegen hat sich die Lektüre gelohnt.

 

Was ich allerdings als etwas anstrengend beim lesen empfunden habe, war nicht das Thema, oder die Intensität, sondern die teilweiser wirren Zeitsprünge von einem Jahr ins andere und wieder zurück. Das hat mich aus meinem Lesefluss gerissen und ich musste sie betreffenden Textstellen mehrere Male lesen, bis ich alles sortiert hatte.

 

Die Autorin hat in dieser schlimmen Zeit Tagebuch geführt, um sich an die Ereignisse und die Symptome erinnern zu können. Durch einige eingestreute Tagebucheinträge in den Text bekommt man als Leser auch darin einen Einblick.

 

Fazit:

Jeder sollte sich dieses Buch durchlesen und dankbar sein für das Leben, das er hat. Oder was dran ändern.