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Rezension: Unterleuten von Juli Zeh

Auszug:

"Ihr offenen Haare und das fließende Kleid schienen von Woodstock zu erzählen und weckten in Gerhard die Sehnsucht nach einer Epoche, die er verpasst hatte. Statt mit Blumen im Haar auf Sommerwiesen zu liegen, hatte er als junger mann in kommunistischen Arbeitskreisen gesessen und sich Sorgen um den Zustand der Welt gemacht. Die Frauen in seiner Umgebung waren nicht halb nackt und auf LSD, sondern steckten in dunklen Rollkragenpullovern, trugen Brillen und rauchten Kette, während sie über den Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Endphase diskutierten."

 

Klappentext:

Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.

 

Produktinformation:

Gebundene Ausgabe mit 641 Seiten 24,99€, Taschenbuch 12,00€, Kindle Edition 9,99€. Hörbuch mit 18 Stunden und 9 Minuten Hördauer 27,88€ oder 9,95€ im Audible-Abo, MP3-CD 9,99€, Aidio-CD 17,99€.

 

Rezension:

Ich bin schon lange um diesen Roman herum geschlichen, hatte jedoch immer das Gefühl, dass die Geschichte nicht passte. Jetzt war es soweit und ich wollte den Roman um das brandenburgische Dörfchen gerne lesen.

 

Ich schätze tiefgründige Geschichten, die mit einem unterschwelligen Humor daherkommen sehr, deswegen hat mir auch "Unterleuten" sehr gut gefallen. Juli Zeh schreibt mit einer sehr intelligenten Komik, die man manchmal vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennt. Der Schreibstil ist generell sehr hochwertig und präzise. Er erinnert deswegen eher an die großen deutschen Klassikschreiber als an moderne Autoren. Auch die Landschaft, also das Setting, indem der Roman spielt, stammt ursprünglich von Theodor Fontane. Juli Zeh hat sich also maßgeblich von den Großen inspirieren lassen.

 

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, war der Ratgeber, den Juli Zeh in ihrem Roman erwähnt, Der Erfolg. Diesen Ratgeber gibt es tatsächlich, ebenso die erwähnten Internetseiten. Man kann also "Unterleuten" noch länger leben lassen, indem man sich damit beschäftigt.

 

Die Protagonisten polarisieren nicht, sind also weder sympathisch, noch unsympathisch. Die Figuren hätte ich mir daher ein wenig aufregender und besser ausgearbeitet gewünscht. Jedes der 61 Kapitel wird wechselweise von verschiedenen Charakteren erzählt, dadurch kommt keine Eintönigkeit beim lesen auf. Das war wiederum sehr gut gelöst.

 

Fazit:

Leider gibt es den ein oder anderen Logik- und Rechtschreibfehler, was mich hin und wieder aus dem Lesefluss gerissen hat, ansonsten eine wirklich großartige Geschichte, die ich gerne weiter empfehle.