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Rezension: The woman in the window von A. J. Finn

Auszug:

"Manchmal, wenn der Himmel tief hängt, stelle ich mir vor, ich säße irgendwo da oben in einem Flugzeug oder auf einer Wolke und hätte die ganzen Inseln im Blick: die Brücken, die wie Speichen von der Ostseite ausgehen; die Autos, die davon angezogen werden wie die Fliegen von einer Glühbirne. Es ist so lang her, seit ich den Regen gespürt habe. Oder den Wind - das Streicheln des Windes, hätte ich um ein Haar gesagt, nur hört sich das an wie eine Phrase, die man in einer Supermarkt-Romanze lesen würde. Trotzdem stimmt es. Und den Schnee auch, aber Schnee will ich nie wieder spüren."

Seite 55

 

Klappentext:

Anna Fox lebt allein. Ihr schönes großes Haus in New York wirkt leer. Trotzdem verlässt sie nach einem traumatischen Erlebnis ihre vier Wände nicht mehr. Anna verbringt ihre Tage damit, mit Fremden online zu chatten, zu viel zu trinken – und ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen – Vater, Mutter und Sohn. Bei dem Anblick vermisst Anna mehr denn je ihr früheres Leben, vor allem, als die neue Nachbarin sie besucht. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert ...

 

Produktinformationen:

Broschierte Ausgabe mit 455 Seiten 15,00€, Kindle Edition 11,99€, Hörbuch mit 10 Stunden und 45 Minuten Hördauer 20,44€ bzw. 9,95€, MP3-CD 11,95.

Der Thriller wurde am 19. März 2018 durch den blanvalet Verlag veröffentlicht. 

"The woman in the window" hat weltweit Aufmerksamkeit erregt, der Thriller wird in 38 Sprachen übersetzt und gerade durch Fox verfilmt. 

 

Rezension:

Als ich den Klappentext gelesen hatte, war für mich klar, dass ich die Geschichte unbedingt lesen musste. Ich liebe Psychothriller a la Gone girl und bin froh, dass ich das Buch gelesen habe, denn ich habe bekommen, was ich erwartet habe, eine tiefe, spannende Story.

 

Anna war früher Kinderpsychologin und leidet seit einem traumatischen Erlebnis an Agoraphobie, deswegen verlässt sie das Haus nicht. Alles, was sie hat, um ihren Tag spannend zu gestalten, ist ihre beratende Tätigkeit in einem Psychologieforum und die Beobachtung ihrer Nachbarn. So kommt irgendwann eins zum anderen. Anna hat eine sehr instabile Persönlichkeit, was ich allerdings verstehen kann, denn ich wüsste nicht, ob ich nach ihrem Trauma noch weiter leben wollen würde. Deswegen verkriecht sie sich hinter ihren Tabletten und ihrem Wein und vegetiert mehr dahin als dass sie lebt.

 

Annas Hauptthema, die Agoraphobie wird hier sehr authentisch rüber gebracht, nichts wird beschönigt oder ausgelassen. Als Leser kann man so zumindest ansatzweise verstehen, wie schlimm diese Panikstörung sein kann. 

 

Der Spannungsbogen hat mir sehr gut gefallen. Hochspannung wechselt sich in der Geschichte mit ruhigeren, aber sehr wichtigen Szenen ab, sodass keine Langeweile aufkommt und die Handlung abwechslungsreich bleibt. Der Focus liegt hier nicht auf blutigen Szenen, sondern auf dem psychologischen Aspekt bezüglich Anna und ihren Mitmenschen.

 

Auch den Schreibstil fand ich großartig. Der Autor versteht sich darauf, lange Sätze zu schreiben, ohne dass sie verschachtelt wirken. Die Ausdrucksweise ist teilweise sehr bildhaft und poetisch, was eigentlich nicht zu einem Thriller passt, hier hat es sich aber super in die Geschichte eingefügt.

 

Fazit:

Definitiv eines meiner Jahreshighlights. Wer psychologische Thriller a la Gone Girl mag, ist hier an der richtigen Stelle.