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Rezension: Vier Farben der Magie von V. E. Schwab

Auszug:

"Kell, Liebe schützt uns nicht vor dem Erfrieren", fuhr sie fort, "oder dem Verhungern. Und sie kann auch nicht verhindern, dass man uns wegen einer Handvoll Münzen den Bauch aufschlitzt. Für Liebe kann man sich nichts kaufen, also freu dich darüber, was und wer in deinem Leben ist. Denn du magst dir ja so manches wünschen, aber du musst nichts wirklich entbehren."

Seite 273

 

Klappentext:

Es gibt vier Farben der Magie: Im roten London befindet sie sich im Gleichgewicht mit dem Leben. Im weißen London wird die Magie versklavt, kontrolliert, unterdrückt. Dem grauen London ist sie fast abhandengekommen. Und im schwarzen London hat sie das Leben selbst vertilgt.

Als einer der wenigen Antari springt Kell zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Doch er führt ein Doppelleben: Er ist Botschafter der Könige, aber auch ein Schmuggler. Eines Tages wird ihm als Bezahlung für einen außergewöhnlichen Botengang ein schwarzer Stein zugesteckt. Dass es sich um ein mächtiges magisches Artefakt handelt, merkt er erst, als er sich von einem gefährlichen Feind verfolgt sieht, der ihm das gute Stück abjagen möchte und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt. 

Auf der Flucht trifft der Magier die gewitzte Diebin Delilah Bard, die Kell zunächst ausraubt, ihm dann aber hilft. Allerdings erwartet sie eine Gegenleistung von ihm ...

 

Produktinformation:

Taschenbuch mit 496 Seiten 10,00€, Kindle Edition 3,99€, Hörbuch mit 12 Stunden und 51 Minuten Hördauer 22,30€ oder 9,95€.

Veröffentlichung 27. April 2017 durch den Fischer Tor Verlag.

 

Rezension:

Auf diese Geschichte bin ich durch eine Freundin aufmerksam geworden, die das Buch in einer Leserunde lesen wollte, dort habe ich mich dann angeschlossen. Wieso ich das Buch abgebrochen und danach schließlich doch weiter gelesen habe, erzähle ich Euch in dieser Rezension.

 

Die Autorin hält sich nicht mit einer großen Einführung in die Welt auf, denn der Leser wird sofort in eine Situation geschmissen, bei der Kell durch die Welten der verschiedenen Londons reist. Bereits hier erfährt man, dass Kell den Londons die verschiedenen Farben zugeteilt hat, um sie besser unterscheiden zu können. Wieso alle vier Städte London genannt werden, bleibt in diesem Band ein Geheimnis, denn niemand der Figuren weiß es.

Die Idee dieses Worldbuildings war für mich ein großer Anreiz und hat mich von Anfang bis Ende fasziniert, auch die Brisanz der Aufträge, die die Weltenwanderer ausführen müssen, machen die Geschichte sehr spannend.

 

Ich habe das Buch trotzdem nach einhundertfünfzig Seiten abgebrochen, weil ich mit der Geschichte nicht warm geworden bin. Ich war frustriert, weil meine Mitleser das Buch total gefeiert haben, ich war weiterhin in der Lesegruppe drin und habe mir die Beiträge angehört. Auch einige andere hatten zu Anfang Probleme, sind aber dran geblieben, und ungefähr ab den einhundertfünfzig Seiten waren dann alle drin und fanden es großartig. Mich hat die Geschichte nicht wirklich losgelassen, und so habe ich der Geschichte doch noch eine Chance gegeben und die Leseabschnitte aufgeholt. Plötzlich war auch ich gefangen von den Ereignissen und den Figuren und die Geschichte wurde für mich doch noch zu einer der besten, die ich je gelesen habe.

 

Besonders Lila, die selbstbewusste junge Frau, der im Leben nichts geschenkt wurde, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist frech, aber sehr clever und lässt sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen. Wenn Kell sie in manchen Situationen nicht gehabt hätte, wäre er arm dran gewesen. Kell selbst ist mir leider nicht so nahe gekommen, weil er meiner Meinung nach zu blass ausgearbeitet wurde. Gegen Lila und den diversen Schurken hatte er keine Chance, wirklich aufzufallen. Schade, denn da wurde viel Potenzial verschenkt.

 

Der Schreibstil ist sehr ausführlich, mir war das am Anfang zu viel, deswegen kam ich auch nicht richtig rein. Als ich mich dann später dran gewöhnt hatte, gefiel er mir. An manchen Stellen ist mir allerdings aufgefallen, dass Szenen heruntergerattert wurden, mehr wie eine Reportage als eine Erzählung. Aber da wirklich viel in der Geschichte passiert, hat mich das nicht sonderlich gestört.

 

Mir hat sehr gut gefallen, dass die Geschichte aus mehreren Blickwinkeln erzählt wurde. Das hat die Erzählung ein bisschen aufgelockert und doch konnte ich das Buch nach meinem Wiedereinstieg kaum aus der Hand legen. Es gab sehr viele Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte, auch das Ende war wirklich einzigartig. Gefühlvoll und doch nicht kitschig, sondern sehr interessant - das schaffen nicht viele Autoren. Am Ende bleiben einige Fragen offen, aber da "Vier Farben der Magie" der erste Band der Weltenwander-Trilogie ist, finde ich das voll in Ordnung.

 

Fazit:

Ich kann diese Geschichte jedem, der gerne High-Fantasy liest, nur wärmstens empfehlen. Falls dem ein oder anderen der Anfang etwas langatmig erscheint, haltet bitte durch, ihr werdet es nicht bereuen.