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Rezension: Der Zopf von Leatitia Columbani

Auszug:

"Smita will schon seit einer Weile nicht mehr zu ihnen, eines Abends  hat sie Nagarajan verkündet sie werde nicht mehr dorthin gehen, die sollen ihre Scheiße doch selber wegmachen. Da hat Nagarajan die Angst gepackt: Wenn Smita nicht mehr dorthin geht , wird man sie fortjagen, sie besitzen kein eigenes Land. Die Jats werden ihre Hütte anzünden. Smita weiß doch, wozu diese Menschen imstande sind. "Wir werden dir beide Beine abhacken", hatten sie einem anderen Dalit gedroht. Kurz darauf hat man den Mann ohne Glieddmaßen und mit Verätzungen auf einem Feld gefunden.

Ja, Smita weiß, wozu die Jats imstande sind.

Und deswegen geht sie morgen wieder zu ihnen."

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Klappentext:

Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – dieselbe Sehnsucht nach Freiheit. Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung.

Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf.

 

Produktinformation:

Gebundene Ausgabe mit 288 Seiten 20,00€, Kindle Edition 16,99€, Hörbuch mit 5 Stunden und 41 Dauer 14,85€ oder 9,95€, Audio-CD 15,95€.

Veröffentlichung 21. März 2018 durch die S. Fischer Verlage.

 

Rezension:

Ich hatte vor der Lektüre schon vermutet, dass mir der Roman gefallen würde. Aber dass er nach dem lesen zu den besten Büchern gehört, die ich je gelesen habe, hätte ich nicht gedacht. Aber es ist tatsächlich so und ich möchte Euch gerne erzählen, wieso das so ist.

 

Zuerst waren da die Schicksale der drei Frauen, die mich sehr berührt haben. Allen voran Smita aus Indien. Smita ist eine sogenannte Dalit. Ein Dalit gehört der untersten Kaste in Indien an und sammelt aus den primitiven Toiletten der Häuser die Exkremente. Ihrer Tochter möchte sie das ersparen und nimmt dafür so einiges auf sich. In Italien arbeitet Giulia in der Echthaarverarbeitungsfabrik ihres Vaters. Als er ins Koma fällt, nimmt sie die Dinge in die Hand und findet raus, dass das Familienimperium, das seit mehreren Generationen besteht, pleite ist. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, sagt sie der bescheidenen Lage den Kampf an. Und zu guter Letzt erfahren wir wie Sarah in Kanada kurz davor ist, Teilhaberin der Anwaltskanzlei zu werden, in der sie arbeitet. Doch sie erkrankt schwer und wird nach und nach aus der Kanzlei geschoben. Auch sie tritt den Weg nach vorne an.

Und das allergeilste ist, dass die Handlungsstränge der drei verschiedenen Frauen auf den drei verschiedenen Kontinenten zum Schluss zusammen laufen.

 

Dann hat mich der Schreibstil, gerade bei Smitas Geschichte sehr aus der Bahn geworfen. Leatitia Columbani schreibt derart realistisch, sie beschönigt nichts und schildert die Erlebnisse sehr detailliert und bildhaft. Ich bin durch meine Thrillerleidenschaft harte Szenen gewöhnt, aber ich habe hier teilweise wirklich ein paar mal überlegt, den Roman abzubrechen. Ich habe recherchiert und die Dalits gibt es in Indien wirklich und alles, was die Autorin schreibt, ist Realität und keine Fiktion.

Aber nicht nur bei Smita, auch das Schicksal der anderen beiden Frauen ist mir sehr nahe gegangen. Und auch wie die Handlungsstränge am Ende des Romanes zusammenlaufen, hat mich sehr begeistert.

 

Als ich erfahren habe, dass "Der Zopf" der Debütroman von Leatitia Columbani ist, war ich total verblüfft, denn hier stimmt wirklich alles. Der Roman beinhaltet eine der Geschichten, die den Leser wieder erden, weil man sich sagt, meine Güte, so schlimm hast du es aber nicht. Sei mal dankbar für dein Leben und wenn es dir nicht gefällt, änder was dran. 

 

Ich flehe jeden von Euch an, zumindest die Leseprobe durchzulesen. Wenn es Euch dann nicht gefällt, okay, aber bitte lest mal rein. Vielleicht gefällt es Euch ja so gut wie mir, denn das Buch ist eine absolute Bereicherung.

 

Fazit:

Ich hatte das Buch aus der Bücherei geliehen, werde es mir aber jetzt zweimal kaufen. Einmal für mich und einmal für einen ganz tollen Menschen. Große, große Empfehlung.