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Rezension: Was dir bleibt, ist dein Traum von Suzy Zail

Auszug:

"Falls ich den Winter überhaupt noch erlebe, dachte er bitter. Elf Tage. Ich habe elf Tage, um ein Pferd abzurichten, dass sich vor seinem eigenen Schatten fürchtet. Elf Tage, um das umzusetzen, was Vater mir beigebracht hat. Er atmete tief aus und versuchte, keine Panik aufkommen zu lassen.

Ich kann das nicht. Niemals. Er grub die Fingernägel in die Hand.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man ein wildes Pferd zähmt. Mitternacht weiß das. Und in elf Tagen weiß der Kommandeur das auch."

Seite 153 und 154

 

Klappentext:

Der 14-jährige Alexander muss nicht auf die Nummer schauen, die sie ihm in den Arm tätowiert haben – er weiß sie auswendig: A10567. Und er weiß, um Auschwitz zu überleben, muss er härter werden. Als ihm die Aufgabe zugeteilt wird, das neue Pferd des Kommandanten abzurichten, verbindet sich sein Schicksal mit dem des Pferdes. Alexander spürt, dass, obwohl das Pferd Angst hat und gequält wurde, er sein Vertrauen gewinnen muss. Denn, wenn ihm das nicht gelingt, sind sie beide zum Tode verurteilt.

 

Produktinformation:

Taschenbuch mit 284 Seiten 10,00€, Kindle Edition 7,99€.

Veröffentlicht am 09. November 2015 durch den cbj Verlag.

 

Rezension:

Das ist eine der Rezensionen, bei denen man ewig lange vor dem Bildschirm sitzt weil man befürchtet, dass die eigenen Worte dem Roman nicht gerecht werden. Aber ich will es wenigstens versuchen, denn dieses Buch habe ich fast in einem Rutsch durchgelesen. Es hat mich gleichermaßen begeistert wie geschockt und mehr als einmal hätte ich es beinahe aus der Hand gelegt, weil mich die Ereignisse in der Geschichte sehr erschrocken haben. Zumal das alles auf einer wahren Geschichte beruht.

 

Als ich in der Bibliothek das Buch gesehen habe, wäre ich fast dran vorbei gegangen, weil das Cover für mich irgendwie nach einer lockeren Jugendgeschichte aussah. Im letzten Moment sah ich dann das Pferd unten auf dem Cover und nahm es zur Hand. Die Thematik hat mich dann sofort dazu gebracht, dass Buch mit nach Hause zu nehmen und lesen zu wollen.

 

Für mich ist die Geschichte bisher einzigartig, ich habe schon viele Geschichten gelesen, die in Konzentrationslagern spielen, aber diese hier ist anders. Durch den Protagonisten Alexander bekommen wir neben dem ganzen Leid auch die Hoffnung mit, das KZ irgendwann verlassen zu können. Sein Traum ist ein eigenes Gestüt, und die Liebe zu Pferden hält ihn am Leben. Besonders hängt er an Mitternacht, einem Pferd, das scheinbar ähnlich schlimm behandeln worden sein muss wie Alexander selbst. 

 

Eine ebenso große Rolle spielt das Lagerleben. Durch den Protagonisten erlebt der Leser, wie die Häftlinge untereinander Dinge tauschen, um irgendwie am Leben zu bleiben. Welche Ausmaße das annimmt, hat mich sehr mitgenommen, vor allem wenn man bedenkt, dass es früher dort wirklich so zugegangen ist.

 

Der Schreibstil von Suzy Zail ist sehr bildhaft und eindringlich, was natürlich schön, bei den schlimmen Szenen aber auch sehr heftig ist. Ihr Stil ist meiner Meinung nach genau richtig für die Geschichte um Alexander. Man merkt hier überhaupt nicht, dass das Buch für Jugendliche ab 12 geschrieben wurde, denn die Autorin erzählt sehr erwachsen.

 

"Was bleibt, ist dein Traum" ist eine Geschichte, die mir ewig im Gedächtnis bleiben wird.

 

Fazit:

Eine absolute Empfehlung für alle, die sich für die Thematik interessieren.