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Rezension: Die Farben der Erinnerung von Nicole C. Vosseler

Auszug:

"Die Laken kühl auf der Haut, satt von der Wärme, dem Licht des Tages, kommt der Schlaf immer viel zu schnell. Nie kann sie vom Silberlied der Zikaden genug bekommen. Von den Murmeln unten im Haus, dem Lachen, sorglos und lebensfroh. Nie genug von der knisternden Musik aus dem Radio, die von dort hinaufdringt. Unterbrochen vom Springbrunnen einer Stimme, die vergessen macht, dass es einmal ein anderes Zuhause gegeben hat, ein Land mit einer anderen Sprache. Töne voller Glück und Geborgenheit."

Seite 9

 

Klappentext:

Als Kind verlor Gemma ihre Eltern bei einem Brand – ein tragisches Unglück, das sie auch als Erwachsene noch verfolgt. Ihr zurückgezogenes Leben in New York gerät jäh aus dem Gleichgewicht, als sie anonyme Post erhält: einen Umschlag mit Zeilen eines viktorianischen Gedichts und einem antiken Schmuckstück. Mit Hilfe des charismatischen Oxford-Professors Sisley Ryland-Bancroft begibt sich Gemma auf eine Spurensuche nach dem Absender, die sie über zwei Kontinente führt und großer Gefahr aussetzt. Denn ohne es zu ahnen, ist sie dabei, ein Geheimnis aufzudecken, das seit Jahrhunderten gehütet wird und der Schlüssel zu ihrer eigenen Vergangenheit sein könnte …

 

Produktinformation:

Taschenbuch mit 416 Seiten 10,00€, Kindle Edition 8,99€.

Veröffentlicht am 18. Dezember 2017 vom Goldmann Verlag.

 

Rezension:

Ausschlaggebend für mich, dieses Buch zu lesen, war die Kombination aus Cover, Titel und Klappentext, außerdem ist mir die Autorin durch ihre vorherigen Bücher bekannt, die ich alle gut leiden mochte. Leider war das hier nicht so.

 

Das hat vor allem an dem Schreibstil gelegen, denn er ist in meinen Augen viel zu kompliziert geschrieben und war deshalb für mich nicht flüssig zu lesen. Außerdem hatte ich beim Lesen das Gefühl, eher eine Reportage zu lesen, als eine Erzählung. Manchmal kam es mir vor, als würden die Ereignisse wie bei einer Liste heruntergerattert, anstatt bei den Szenen wirklich in die Tiefe zu gehen. Das finde ich persönlich sehr schade, denn ich weiß, dass Nicole C. Vosseler das besser kann.

 

Die Geschichte wird durch mehrere Zeitebenen erzählt, die dann irgendwann zusammenlaufen. Der Leser begleitet Gemma bei ihrer Suche nach der Wahrheit, das Dichterehepaar Elizabeth Barrett und Robert Browning im 19. Jahrhundert und  Lucrezia di Cosimo de’ Medici. Leider hat es für mich fast bis zum Schluss gedauert, den Zusammenhang zu erkennen, ich habe lange nach dem roten Faden gesucht. 

 

Gut gefallen hat mir dagegen die Ähnlichkeit der beiden Figuren Gemma und Sisley. Beide haben es wahrlich nicht einfach gehabt im Leben. Nicht zuletzt durch die Gemeinschaft der beiden wachsen sie über sich hinaus und unterstützen sich dabei gegenseitig. Ein gutes Beispiel von "Nicht gesucht und doch gefunden". Beide haben außerdem das Herz am richtigen Fleck, was ich sehr geschätzt habe.

 

Außerdem fand ich das Ende gut, weil es nicht vorhersehbar war. Es ist vielleicht nicht das Ende, was sich viele wünschen, aber es ist authentisch. Das kann die Autorin grundsätzlich gut.

 

Fazit:

Eine intensive Geschichte mit einem schwierigen Schreibstil, für die man sich Zeit nehmen muss.