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Rezension: Eisige Schwestern von S. K. Tremayne

Auszug:

Die ganze Zeit schaut sie mich unverwandt an. Kaum dass sie einmal zwinkert. Hört sich alles passiv an, fast wie in Trance, spiegelt mir, wie es ist, wenn jemand immer schweigt. Schließlich nickt sie und deutet mit einem Lächeln an. Etwas unsicher vielleicht. Es ist still im Raum. Mir sind die Worte ausgegangen.

"Na?", sage ich. "Was hältst du davon? Auf deine eigene Insel zu ziehen? Wäre das nicht toll?"

Kirstie nickt langsam. Sie schaut auf ihr Buch hinunter, klappt es zu, und dann blickt sie wieder auf und sagt: "Warum nennst du mich immer Kirstie?"

Ich antworte nicht gleich. Es herrscht dröhnendes Schweigen. Dann bringe ich heraus: "Entschuldige Süße, was hast du gesagt?"

"Warum nennst du mich immer Kirstie? Kirstie ist tot. Kirstie war es, die gestorben ist. Ich bin Lydia."

 

Klappentext:

Ein Jahr nachdem die sechsjährige Lydia durch einen tragischen Unfall ums Leben kam, sind ihre Eltern Sarah und Angus psychisch am Ende. Um neu anzufangen, ziehen sie zusammen mit Lydias Zwillingsschwester Kirstie auf eine atemberaubend schöne Privatinsel der schottischen Hebriden. Doch auch hier finden sie keine Ruhe. Kirstie behauptet steif und fest, sie sei in Wirklichkeit Lydia und die Eltern hätten den falschen Zwilling beerdigt. Bald hüllen Winternebel die Insel ein, Angus ist beruflich oft abwesend, und bei Sarah schleicht sich das unheimliche Gefühl ein, etwas stimme nicht. Zunehmend fragt sie sich, welches ihrer Mädchen lebt. Als ein heftiger Sturm aufzieht, sind Sarah und Kirstie komplett isoliert und den Geistern der Vergangenheit ausgeliefert.

 

Produktinformation:

Taschenbuch mit 416 Seiten 9,99€, Kindle Edition 9,99€, Hörbuch mit 10 Stunden und 25 Minuten 16,71€ oder 9,95€ im Audible-Abo, Audio-CD 7,99€. Veröffentlichung am 1. Dezember 2016 im Knaur Taschenbuch Verlag.

 

Rezension:

Für mich war es das erste Buch der Autorin und es hat mich gleich so gefesselt, dass ich es in einem Rutsch ausgelesen habe. Demnächst wird deswegen auch ihr Thriller "Stiefkind" bei mir einziehen.

 

Der Thriller kommt so spannend daher, dass ich mich der Geschichte nicht entziehen konnte. Das lag einmal an der bedrückenden Atmosphäre, zu der das rauhe Setting auf der schottischen Insel super passt. Und dann fand ich natürlich erschreckend, dass die Eltern bis zum Schluss nicht wissen, welcher der Zwillinge denn da warum vom Balkon gestürzt ist.

 

Man glaubt nicht, dass Eltern ihre Kinder nicht voneinander unterscheiden können, aber dieser Umstand wird im Laufe der Geschichte durch verschiedenen Faktoren untermauert. Die Nerven der Eltern sind natürlich zum Zerreißen gespannt, diese Anspannung hat sich eins zu eins auf mich übertragen. Außerdem enthalten sich die Eltern gegenseitig Dinge vor, anstatt offen miteinander zu reden. Das sorgt natürlich nochmal extra für Reibungspunkte.

 

Außer der Spannung sorgt eine gewisse Portion Mystery ebenfalls für eine krasse Atmosphäre. Das ist zum einen wieder dem Setting, zum anderen aber gewissen Ereignissen geschuldet, die im Laufe der Geschichte passieren. Ich habe selten ein Cover gesehen, das so gut zur Handlung passt wie dieses. Zusammen mit dem Titel erzählt es viel von der Geschichte um die Zwillinge.

 

Die Geschichte erlebt man abwechselnd aus Sarahs und Angus' Sicht, wobei der Leser mit Sarah die meiste Zeit verbringt. Sie ist es ja, die bei dem Zwilling Zuhause ist und sich um das Haus kümmert, während Angus arbeitet. Das kommt ihm sehr gelegen, denn er kann dem Umständen und Sarah zumindest zeitweise entfliehen. Außerdem sehen die Finanzen nicht gerade rosig aus, ein weiteres Argument für ihn, sich in die Arbeit zu stürzen.

 

Der Schreibstil des englischen Bestsellerautors ist flüssig und leicht verständlich, dabei aber sehr bildhaft und atmosphärisch, denn er weiß mit Worten und Satzbau gut umzugehen. Für diese Geschichte ist der Stil genau das Richtige. Man fliegt nur so über die Seiten und merkt beim Lesen nicht, wie weit man eigentlich schon gekommen ist.

 

Fazit:

Ein atmosphärischer Thriller mit einer hohen Spannungskurve, den ich sehr gerne weiter empfehle.